Zwischen Gentrifikation und Vandalismus….

In Berlin und Hamburg ist es längst schon Thema, im Ruhrpott wurde das Thema durch das Projekt „Kulturhauptstadt 2010“ langsam ins Rollen gebracht und angeschnitten, es geht um „Gentrifikation“ – Stadtumstrukturierung. In den Strassen der Stadt sieht man sie immer wieder, sie kleben an Wänden, Stromkästen & Ampeln. Sie zieren Hauswände, Transporter, U-Bahnen und Züge die Sprache ist von Street-Art und Graffiti – Vandalismus.


In Dortmund ist seit längerem eine Bewegung wahrnehmbar, Izm, Slayer, Masone, Thuks, Herz, Addicted, I love my crew, IFC, Erna, B-Man, 5 er, Sheyone, Karl110 und viele andere, auch Namenslose, wirken aktiv mit. In Berlin oder Hamburg gehört es zum festen Stadtbild und bringt der Stadt oder dem jeweiligen Kiez seinen ganz eigenen Charme. In Dortmund ist zumindest Graffiti seit den 80ern ein fester Bestandsteil der Stadt, wofür sie auch Deutschland, wenn nicht gar weltweit, einen gewissen Ruf genießt.
Dortmund liegt an dritter Stelle wenn es um Sachbeschädigung, durch das Verändern von Eigentum geht, hinter Berlin und Köln. Dabei stehen diese Dinge in gewisser Form in einem Zusammenhang, neben einem „kapitalistischen“ Hintergrund bei der Stadtumstrukturierung, spielt Street-.Art und Graffiti einen vermeintlichen, nicht unwichtigen, Hintergrund. Wenn man berücksichtigt, dass so gut wie alles von der Gesellschaft vereinnahmt wird, sei es auch noch so „Anti,“ um daraus Profit zuschlagen. Ist es eine logische Schlussfolgerung, dass Street-Art und Graffiti zwangsläufig, mit anderen Aspekten, zu einer Umstrukturierung führen und diese wohlmöglich beeinflussen.

Das Beispiel Dortmund-Nordstadt. Die Nordstadt genießt in Dortmund einen „zweifelhaften“ Ruf, der nicht nur Neo-Nazis anpisst. Auch der Stadtverwaltung sind in der Nordstadt bestimmte Menschen, Lifestyle und eben Sachbeschädigung ein Dorn im Auge. Seid längerem würde die Stadt gerne ein neues Party- und Studentenvierteln in Dortmund etablieren, wird aber nur mäßig Herr der Lage. Wie auch in Kreuzberg oder der „Schanze“ hat die Nordstadt ein „Schmuddel-“ Image, zudem verfügt sie praktisch über eine eigene Infrastruktur, so leben ca. 65.000 Menschen in dem Kiez hinter dem Bahnhof. Doch gerade in diesem Viertel hat sich in vergangener Zeit eine Vielfalt an Street-Art und Graffiti etabliert. So werden zudem ganze Wände frei gegeben, um dort Strassenname in dicker, blockiger, voll erkennbarer Schrift zu malen, weil es irgendwie „cool“ aussieht und zu dem Viertel passt.

Sicherlich ist gerade Street-Art in Dortmund noch in den Kinderschuhen, so ist sie nur in bestimmten Vierteln wahrnehmbar und es gibt wenig Menschen, die der Sache langfristig und konsequent nachgehen, doch kommen zumindest wir zu dem Entschluss, dass trotz dem Zusammenhang zwischen Gentrification und Graffiti, nicht darauf verzichtet werden sollte. Sich durch Street-Art und Graffiti aktiv an dem Wandel der Stadt zu beteiligen, sie vllt. sogar zeitweise in gewisser Form zu bestimmten und die eigene Individualität zum Ausdruck zu bringen, kann schließlich nicht schaden. Zudem beinhaltet diese Art der „Kunst“ immer auch eine gesellschaftskritische Art und Weise, sei sie bewusst oder unbewusst herbei geführt. Wird berücksichtigt, dass gerade Street-Art, in ihrer Vergangenheit, immer auch einen links-politischen Aspekt hatte, sollte nicht darauf verzichtet werden, diesen nicht mehr zu nutzen.

Wir behalten uns vor, dass dies keine umfassende Analyse vom Zusammenspiel von Street-Art, Graffiti und Gentrification ist, dazu ist sie sehr oberflächlich, jedoch war es uns wichtig diese Ansicht Publik zu machen. Die Menschen sollen sich zum einen damit beschäftigen und zum anderen dazu angeregt werden aktiv an dem Wandel der Zeit teilzunehmen und diesen mitzubestimmen. Auch ist uns bewusst, dass Dortmund, noch, nicht in einer Form von Gentrification betroffen ist wie z.B. Berlin und Hamburg. Die genutzten Fotos stammen allesamt aus dem Internet, die Motive sind allesamt in den Strassen von Dortmund wiederzufinden und spiegeln längst nicht die komplette Vielfalt der Szene wieder.

Interessantes zum Thema:
JUST – Street-Art und Kram
Addicted – Sticker und Co. Aus Dortmund
Reclaim your City