Jahresrückblick 2010 – Dortmund.

Im Folgenden wollen wir versuchen Euch einen Überblick über Ereignisse im Jahr 2010 zu bieten. Wir verfolgenden dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, orientiert haben wir uns an erschienenen Berichten der lokalen Strukturen sowie persönlichen Erfahrungen.
Dabei haben wir darauf verzichtet jede Aktion zu erwähnen, da wir bspw. geknibbelte Aufkleber oder „anderweitige Meinungsaussagen“ gegen Nazis als Selbstverständlich erachten und nicht alles ins Netz gehört. Zudem verfügt die Antifa Union Dortmund über eine detaillierte Kurzübersicht der vergangenen Jahre, was Aktivitäten der regionalen Neo-Nazis angeht. Ausserdem hat auch die Antifa Jugend Dortmund einen Jahresrückblick verfassst. Zu erwähnen gilt es in dieser Stelle noch, dass über das komplette Jahr im „nationalen Zentrum“ auf der Rheinischenstr., neben den all-wöchentlich Mittwoch stattfindenden Kameradschaftsabend, rund 13 Veranstaltungen stattfanden.

Januar:
Begonnen hat das Jahr 2010 mit einem rechten Konzert in einer Kleingartenanlage bei Dortmund-Dortstfeld. Das Konzert wurde von den örtlichen Neo-Nazis organisiert und stand lediglich unter Beobachtung der Dortmunder Polizei, welche es nicht für nötig hielt einzugreifen.
Nach dem „Opfergedenken“ in Magdeburg griffen am 16.01. ca. 40 Neo-Nazis im Dortmunder HBF Polizisten_Innen an, nachdem diese von der Demonstration zurückkehrten.
Der bereits fünfte Anschlag auf das Partei-Büro der Linken in Dortmund ereignete sich am 28.01., Neo-Nazis bespritzten das Lokal mit Buttersäure.

Februar:
Am 04.02. störten ca. 30 Neo-Nazis eine Veranstaltung der Stadt Dortmund im Bürgerforum. Bei der Veranstaltung wurde eine Studie über die Dortmunder Naziszene vorgestellt. Erstellt wurde diese Studie inkl. „Verbesserungsplan“ von dem, an der Universität Bielefeld lehrenden Prof. Wilhelm Heitmeyer.
Nach dem erfolgreich verhinderten Naziaufmarsch in Dresden, am 13.02., veranstalteten zurückkehrende Neo-Nazis in Dortmund-Dorstfeld ein Heldengedenken und glorifizierten dabei die SA.

März:
Anfang März erfolgt erneut ein Anschlag auf vermeintliche Antifaschisten_Innen in Dortmund, dabei wird das Auto einer Familie mit Buttersäure bespritzt, eine Person wird daraufhin mit dem Verdacht auf Verletzung der Atemwege in das Krankenhaus gebracht.
Mitte März folgten rund 150 Menschen dem Aufruf des Bündnis Dortmund gegen Rechts und beteiligten sich am „Antifaschistischen Frühjahresputz“ in Dortmund Dorstfeld, dabei entfernten sie massig Nazipropaganda. Wenige Tage zuvor verteilten Dortmunder Neo-Nazis zusammen mit Neo-Nazis aus anderen Städten Flyer in der Innenstadt welche an die „Opfer“ der Bombardierung Dortmunds erinnern sollten.
Ende März benannten die Dortmunder Neo-Nazis einzelne Strassen nach dem Schmuddel-Mörder Sven Kahlin um. Zuvor wurden in ganz Dortmund Strassen von Antifaschisten_Innen mit Namen von Opfern rechter Gewalt umbenannt.
Am 28.03. dem Todestag des Punkers Thomas „Schmuddel“ Schulz, gedachten diesen rund 50 Menschen am Tatort des Mordes, der U-Bahn Station Kampstr.

April:
Unter dem Motto „Linke Freiräume erkämpfen!“ demonstrierten knapp 600 Menschen in Dortmund, bei der all jährlichen Gedenkdemo für Thomas „Schmuddel“ Schulz. Die Demo zog lautstark durch den alternativen Nordstadt Kiez, auf einem Hausdach zündeten Antifaschisten_Innen Beganlos und Raketen und solidarisierten sich mit der Demonstration.
Nach der Demo fand am gleichen Abend eine gut besuchte Freiraum Party in Dortmund statt.


Mitte April versuchten Neo-Nazis die Gründung des „Forums gegen Rechtextremismus“ zu stören, was ihnen aber nicht gelang, so wurden sie kurzer Hand vor die Tür gesetzt.
80 Neo-Nazis demonstrierten am 30.04. vom Dortmunder HBF nach Dortstfeld, unter dem Motto „“. An der Demonstration beteiligte sich auch der Dortmunder Feuerwehr Chef Klaus Schäffer, welcher kurz darauf, durch antifaschistische Intervention, von seinem Amt entbunden wurde. Begleitet wird der Aufmarsch von einem breiten Protest.

Mai:
Begonnen hat der Mai mit dem Mayday an welchem sich 800 Menschen beteiligten, dieser fand zum ersten Mal in Dortmund statt und zog laut und bunt durch die Dortmunder Nordstadt, dabei wurde rechte Wahlpropaganda entfernt und zum Abschluss am auf Nordmarkt zu diversen DJ_anes und Bands getanzt.
Drei Tage später versuchte die rechtspopulistische Partei „pro-NRW“ in Dortmund eine „Wahlkampftour“ durch zuführen. Dortmund war dabei nur eine Haltestation. Rund 200 Menschen beteiligten sich an dem Protest gegen den Stand von „pro-NRW“ so dass dieser nach kurzer Zeit abgebaut wurde und die Rassisten_Innen wieder verschwinden mussten. Aufgerufen zum Protest hatte das Dortmunder Antifa Bündnis (DAB). Am selben tag veröffentlichte die Antifa Union Dortmund einen Bericht über die Zusammenarbeit von Klaus Schäfer und den Dortmunder Neo-Nazis, welcher für einen Skandal in der Dortmunder Lokalpolitik sorgte.
Am Sonntag den 08.05. versuchten Neo-Nazis in Dorstfeld Menschen von der Landtagswahl abzuhalten indem sie sich vor ein Wahllokal stellten. Die Neo-Nazis wurden wegen Wahlnötigung angezeigt.
Mitte Mai griffen ca. 20 Neo-Nazis eine Gruppe Jugendlicher am Stadtgarten an und verletzten diese durch Schläge, Tritte und Flaschenwürfe.
Um an einen Überfall auf einen Antifaschisten zu erinnern, welcher im Mai 2009 vor den „LenzsTUben“ in Dortmund von Hooligans des BVB brutal zusammen geschlagen wurde, bewarfen Unbekannte das Lokal mit Farbbomben. Es ist jedoch bis heute bestritten, dass die Angreifer direkt aus dem Lokal der Ultrá Gruppe „The Unity“ kamen, welche sich von dem Überfall distanzierte.

Juni:
Erneut halten Neo-Nazis in Dortmund-Dorstfeld eine „Trauerkundgebung“ ab und verherrlichen dabei die SA.
Durch Recherchen der Antifa Union Dortmund gelingt es das „Nationale Zentrum“ auf der Rheinsichenstr. durch die Stadt Dortmund kaufen zu lassen. Dies geschah nachdem bekannt wurde das die Dortmunder Neo-Nazis beabsichtigten das haus für ihre Zwecke zu kaufen.

Juli:
200 Menschen folgten erneut einem Aufruf des Dortmunder Antifa Bündnis und störten mit Hilfe von Vuvuzelas eine Kundgebung von knapp 60 Neo-Nazis am Dortmunder HBF.
Mitte Juli demonstrierten, von 300 Protestler_Innen begleitet, knapp 70 „pro NRW“ler_Innen in Dortmund-Hörde gegen den Bau einer Moschee, lediglich 12 Rassisten_Innen reisten dabei nicht mit den Bus aus dem Rheinland an.
Ende Juli wird kurze Zeit vor einem Mobilisationsvortrag im Asta Dortmund, welcher über den „nationalen“ Antikriegstag und die Gegenproteste informiert, die Scheiben des selbigen Zerstört. Am Tag des Vortrages versuchen bekannte Dortmunder Neo-Nazis den Vortrag zu stören, merkten aber schnell das sie nicht willkommen waren und schafften es nicht bis mal 10m vor die Eingangstür.
Auch im Juli lud das UZ-Dortmund zu einer ersten Info- und Diskussionsveranstaltung ein, dabei ging es um die Stadtentwicklung und Möglichkeiten diese aktiv mitzugestalten.

August:
Den gesamten August über fanden immer wieder kleine Aktionen von Neo-Nazis aus Dortmund und der näheren Umgebung statt um auf den Anfang September stattfindenden „nationalen“ Antikriegstag hinzuweisen.
Am 07.08. veranstaltete der AK_Freiraum eine Kundgebung mit Konzert am Museum am Ostwall unter dem Motto „HER MIT DEM AUTONOMEN ZENTRUM!“
Mitte August eigneten sich Menschen aus dem Umfeld das UZ-Dortmund einen öffentlichen Raum an um auf den Leerstand in Dortmund hinzuweisen. Eine Woche lang wurde im Rahmen der „Kulturwoche“ ein breites Programm geboten und der öffentliche Raum aktiv umgestaltet.
Ende August versuchten erneut knapp 20 Neo-Nazis und Hooligans die Kneipe „Hirsch-Q“ auf der Brückstr., innerhalb der Dortmunder Innenstadt anzugreifen. Der Angriff konnte jedoch durch eine entschlossene Gegenwehr der Gäste und Passanten_Innen abgewehrt werden und so mussten die Neo-Nazis Richtung HBF flüchten wo diese später von der Polizei zum Teil festgenommen wurden.

September:
Der September startete wie auch die letzten 5 Jahre mit dem Naziaufmarsch am ersten September Wochenende. Neu war jedoch dieses Jahr das die Neo-Nazis am vorband ein Konzert direkt in der Innenstadt abhalten durften. Die Dortmunder Polizei vernietete daraufhin jeglichen antifaschistischen Protest in Seh- und Hörweite des Konzertes, trotzdem konnte das Konzert der Rechts-Rock Bands gestört werden. Wenige Stunden vorher startete eine Vorabenddemo des S4-Bündis gegen den Naziaufmarsch in der Dortmunder Nordstadt.
Am 04.09. dem Tag des „nationalen“ Antikriegstags in Dortmund fanden lediglich knapp 500 Neo-Nazis den Weg zur Kundgebung im Dortmunder Hafen. Die Polizei hatte den Aufmarsch der Neo-Nazis kurz vorher Verboten.
Ende September wieder der Mörder von Thomas „Schmuddel“ Schulz, Sven Kahlin frühzeitig aus der Haft entlassen, dass Dortmunder Antifa Bündnis ruft daraufhin zu einer Demonstration auf an der sich 250 Menschen beteiligen und Richtung Dorstfeld ziehen.

Oktober:
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November:
Das Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht in Dortmund wird durch Neo-Nazis gestört. Am 14.11. gedenken rund 40 Neo-Nazis am „Volkstrauertag“ gefallenen Wehrmachtsoldaten.
Am 24.11. werden in Dortmund drei Wohnung von Neo-Nazis und das „nationale“ Zetrum durchsucht. Die Staatsanwaltschaft sucht nach verbotebenen CD´s.
Neo-Nazis kündigen daraufhin einen Aufmarsch am 04.12. an.

Dezember:
Der angekündigte Aufmarsch von rund 130 Neo-Nazis aus dem Ruhrgebiet und Rheinland, kann nur unter massiven Polizeischutz und veränderter Route stattfinden. Der Grund dafür war ein dezentrales Konzept des Dortmunder Antifa Bündnis, welches es genug Antifaschisten_Innen ermöglichte in das Aufmarsch gebiet zu gelangen und Teile der Route zu blockieren. Am selben Tag kündigten Neo-Nazis weitere Kundgebungen im Dezember und Neu-Jahr an.
Ebenfalls am 04.12. gab es in Dortmund etwas bis dato einmaliges, die Stadt Dortmund hatte zugestimmt, dem UZ-Dortmund für ein Wochenende das „Museum am Ostwall“ (MaO) zu geben. So wurde dort kurzerhand ein UZ auf Zeit eingerichtet, am Abend nach dem Naziaufmarsch feierten dort mehrer Hundert Menschen. Nebenbei lief eine Kunstausstellung von diversen Künstler_Innen.
Am 11.12. greifen Neo-Nazis, der „Skinheadfront-Dortmund-Dorstfeld“, die Kneipe Hirsch-Q an. Dabei werden durch die Neo-Nazis auch Messer eingesetzt. Ein Mensch erleidet Stichverletzungen. Zudem werden andere Menschen durch Tritte und Schläge schwer verletzt.
Unter den Angreifern_Innen ist auch der Mörder Sven Kahlin, welcher nach wie vor in der Neo-Nazis Szene aktiv ist.
Die Kneipe Hirsch-Q bleibt daraufhin mehrere Tage geschlossen. Einen Tag später beteiligen sich rund 100 Menschen an einer Spontandemonstration durch die Innenstadt, dabei kommt es zu angriffen auf anwesende Neo-Nazis.


Eine Woche später demonstrierten erneut 250 Menschen durch Dortmund und solidarisierten sich mit den Opfern des Überfalls.
An der Nazi-Kundgebung am 24.12. nahmen lediglich 12 Kameraden teil welche sich am Dortmunder HBF die Beine in den Bauch standen und mit sich selbst redeten.
Zum Abschluss des Jahres versuchten die Dortmunder Neo-Nazis, mit einer Demonstration zu gegen die Überfremdung ihres Vaterlandes, bei ihren Kameraden zu punkten. Mit viel zu versicht wurde bereits beim gestörten Aufmarsch am 04.12. angekündigt noch weitere male in Dortmund bis zum Jahreswechsel aufzumarschieren. Den Vorgeschmack machte die Kundgebung am 24.12., auch der Aufmarsch am 31.12. konnte das Ergebnis nicht Toppen, lediglich 90 Neo-Nazis erschienen zur Demonstration. Zudem musste ein, auch für den 31.12. angekündigtes, Rechts-Rock Konzert abgesagt werden.

Eine genaue Resonanz zu ziehen vermögen wir an dieser Stelle nicht, aber zu sagen bleibt das es im Jahr 2010 deutliche, positive, Änderungen innerhalb der radikalen Linken in Dortmund gegeben hat. So bildete sich das Dortmunder Antifa Bündnis (DAB) um kontinuierlich, über das Jahr hin, eine Vernetzung der „autonomen“ Antifastrukturen in Dortmund zu Gewehrleisten und die Antifa-Arbeit positiv zu beeinflussen. Der September kann, auch wenn nur minimal durch Antifa direkt beeinflusst, als Erfolg bewertet werden. Dabei ist zu beachten das die Neo-Nazis u Giemsch und Co. über das komplette Jahr hoch gepokert haben und zum Ende ihre Rechnung bekamen. Es bleibt abzuwarten wie sich der mäßige Erfolg der Dortmunder Neo-Nazis was Aufmärsche und Kundgebungen angeht auf die nächste zeit auswirkt. Beachtet man die Gewalttaten wurde erneut deutlich das die Nazistrukturen in Dortmund, sich maßgeblich über die Gewalt gegen Politische Gegner_Innen identifizieren. Aber auch aus dem kann etwas Positives gewonnen werden, immer öfters stoßen die Neo-Nazis auf entschlossenen und Handfesten Widerstand, nicht nur von Antifas.
Wir können also gespannt sein was das Jahr 2011 bringen mag, ein UZ, ein verhinderten „nationalen“ Antikriegstag, eine starke antifaschistische Bewegung in Dortmund,…

Dank gilt es mit Sicherheit allen Menschen auszusprechen welche sich über das Jahr hinweg erneut die Mühe gemacht haben den Neo-Nazis in Dortmund die Stirn zu bieten und linke Strukturen aufzubauen bzw. zu stärken. Ebenso allen Menschen die immer wieder den Weg auf sich nehmen um die lokalen Strukturen zu unterstützen.


1 Antwort auf „Jahresrückblick 2010 – Dortmund.“


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