Archiv für Mai 2011

Nachspiel für Dortmunder Neonazis

Dortmund/Dresden – Wegen des Verdachts des besonders schweren Landfriedensbruchs ermittelt die Staatsanwaltschaft Dresden gegen eine Reihe von Neonazis aus dem Ruhrgebiet. Nach deren eigenen Angaben erhielten sie jetzt eine Vorladung, bei der sie eine Speichelprobe abliefern und zu den Vorwürfen Stellung nehmen sollen.

Hintergrund der Ermittlungen ist ein Zwischenfall anlässlich des von Neonazis geplanten, letztlich aber gescheiterten Aufmarschs am 19. Februar in Dresden. Statt einer zentralen Demonstration hatten die Neonazis versucht, mehrere „Spontandemonstrationen“ durchzuführen, bei denen sie zum Teil randalierend durch Randbereiche Dresdens und der Nachbarstädte zogen.*

Bei einer dieser „Spontandemos“ waren mehrere Hundert Neonazis von dem südwestlich von Dresden gelegenen Städtchen Freital in Richtung Hauptbahnhof marschiert. Im Stadtteil Plauen, wo sie von der Polizei gestoppt werden sollten, gingen sie massiv gegen die Einsatzkräfte vor. Mit Steinen, Glasflaschen und Pyrotechnik wurden die Beamten beworfen; auch Zwillen wurden eingesetzt. Mehrere Polizisten zogen sich Verletzungen zu.
24 Festnahmen

„24 Aktivisten“ seien seinerzeit festgenommen worden, heißt es auf der Internetseite Dortmunder Rechts-„Autonomer“. Ein Großteil von ihnen sei aus dem Ruhrgebiet angereist. „Mehrere der Aktivisten“ hätten nun in den vergangenen Tagen ein Schreiben der Dresdener Polizei erhalten. Neben einer Vorladung zu einer polizeilichen Vernehmung enthalte das Schreiben die Anordnung einer Speichelprobe.

Wie sich aus einem von den Neonazis veröffentlichten Beschluss des Amtsgericht Dresden ergibt, geht es bei den Untersuchungen offenbar unter anderem darum, festzustellen, wer bei der Auseinandersetzung in Plauen Steine geworfen, Pfefferspray eingesetzt und mit Fahnenstangen zugeschlagen hat. (ts)

Das war wohl nix…

Erst wurde eine Neonazi-Kundgebung in Dortmund-Wickede angekündigt, dann verschwanden Mitteilungen zum Thema im Internet. Und mit ihnen gleich die gesamte Webpräsenz der Gruppe, die sich den Namen „Autonomen Nationalisten Wickede“ gab und zumeist wegen ihrer gedanklichen und sprachlichen Unbedarftheit auffiel*.

Am Donnerstag hatte die Gruppe aus dem Dortmunder Osten, die sich auch als „Nationalbündnis“ bezeichnete, die Kundgebung in Wickede angekündigt.** Ein Termin wurde zunächst nicht genannt. Zumindest ein Thema der Veranstaltung wurde am Tag darauf, am Freitag, mitgeteilt: Um „linke Gewalt“ werde es gehen – und das „mit einer hohen Anzahl der Teilnehmer“.

Wiederum einen Tag später war die Werbung für die Wickeder Kundgebung im Internet ebenso verschwunden wie die gesamte Internetangebot des „Nationalbündnisses“. Zu lesen war dort statt dessen: „Dieser Blog wurde gesperrt. Der Inhalt dieses Blogs verstößt gegen die Logr.org Richtlinien und wurde deshalb gesperrt. Grund: Illegale Inhalte“.

„Logr.org“*** wiederum ist ein Blog-Hoster, über den zahlreiche extrem rechte Gruppen, vor allem „Autonomer Nationalisten“, den Weg ins Internet finden. Betrieben wird er mutmaßlich von einem führenden Vertreter der Dortmunder Rechts-„Autonomen“. Ob sich der Betreiber tatsächlich an „illegalen Inhalten“ gestoßen hat oder ob ihm bloß die Inhalte der Wickeder Homepage zu peinlich erschienen, ist nicht bekannt. (ts)

Ergänzung: Bei der Internetseite des „Nationalbündnisses Dortmund-Wickede“ habe es sich um einen Versuch „linker Aktivisten“ gehandelt, „die nationale Bewegung ins Lächerliche zu ziehen“. Dies schrieben Dortmunds (echte) Rechts-„Autonome“ heute Nachmittag auf ihrer Internetseite: „Nationalen Aktivisten aus Dortmund“ sei schon seit Entstehung der Seite bekannt gewesen, „dass diese nicht von Nationalisten, sondern von Antifaschisten betrieben wird“. Gelöscht worden sei die Seite schließlich wegen Verstößen gegen den Volksverhetzungsparagraphen. Warum allerdings die Internetseite über Wochen bei Logr.org gehostet wurde, obwohl doch angeblich Klarheit über die tatsächlichen Hinterleute der „Autonomen Nationalisten Wickede“ bestanden haben soll, wurde nicht mitgeteilt.

nrwrex

…More than Music!

Möchtegern Flakhelfer

via. Antifa Union

Die britische Luftwaffe lässt einem Bericht des Dortmunder Lokalsenders „Radio 91,2“ zufolge Hubschrauberpiloten bis August nächtliche Tiefflüge über der Ruhrgebietsstadt üben. Auf einer Internetseite von Dortmunds Rechts-„Autonomen“ wird nun darüber nachgedacht, ob jene Piloten Ziel von Blendattacken per Laser werden könnten oder sollten.

Die Dortmunder Neonazis sehen in den Übungen den Beweis, dass die Bundesrepublik Deutschland nur angeblich souverän sei und tatsächlich unter einem „Besatzungszustand“ leide. Immer noch seien rund 95 000 Angehöriger „fremder Militärs“ in Deutschland stationiert, klagen sie – darunter jene britischen Hunschrauberpiloten.
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