Nach versuchtem Nazi angriff, spontan Demo

via DAB / Alerta!


In der Nacht zum Freitag, dem 29. Juli, haben Dortmunder Neonazis in Hacheney eine Gruppe AntifaschistInnen überfallen. Gegen 2:45 Uhr bemerkte die Gruppe den Kleinbus der Dortmunder Nazis, einen VW mit dem Kennzeichen DO-UC-7875, der mit Schrittgeschwindigkeit an ihnen vorbeifuhr. Als die Neonazis eine der Personen als Antifaschisten erkannten, wendeten sie und sprangen mit Sturmmasken vermummt und Hiebwaffen in der Hand aus dem VW-Bulli. Fünf Neonazis griffen die AntifaschistInnen mit Baseballschägern, Pfefferspray, mitgeführten Steinen und Flaschen sowie mindestens einem Messer an, wobei von den Neonazis unter anderem die Drohung „Jetzt bist du dran, ich stech dich ab!“ ausgesprochen wurde. Während des etwa sechsminütigen Angriffs holten die Nazis immer wieder Flaschen und Steine aus dem Wagen, der für den Nachschub quer auf der Straße rangiert stand.

Täter aus dem Kreis der örtlichen „Kameradschaft“
Beteiligt an dem Überfall waren bekannte Neonazis aus Dortmund, von denen einige von den Opfern wiedererkannt und namentlich identifiziert werden können. Mindestens einer der als Täter identifizierten Neonazis musste bereits wegen ähnlicher Überfälle eine Haftstrafe absitzen. Der VW-Bulli gehört als Kameradschaftswagen” der neonazistischen Gruppierung „Nationaler Widerstand Dortmund“ um die „Autonomen Nationalisten“. „Dieser türkisfarbene Bulli wird von den Dortmunder Neonazis regelmäßig als Lautsprecherwagen bei Aufmärschen eingesetzt. Es ist also eindeutig, aus welcher Personengruppe der Überfall organisiert wurde“, so Hannah Piehl, Pressesprecherin des Dortmunder Antifa-Bündnisses. Im Rahmen des so genannten „nationalen Antikriegstags“ führen die Dortmunder Neonazis im Vorfeld Aktionswochen durch, in denen sie durch besonders viele Aktivitäten Aufmerksamkeit erregen wollen. Die Suche nach Auseinandersetzungen mit politischen Gegnerinnen ist systematisch geplant und kein Zufall – und so ist auch die Bewaffnung zu verstehen.

Fehlverhalten der Polizei
Die Angegriffenen riefen die Polizei zur Hilfe und konnten die Neonazis auf Distanz halten. Die Notrufzentrale der Polizei konnte den Angriff am Telefon verfolgen. Der ca. 2 Minuten nach Ende des Angriffs eintreffenden Polizei war es offensichtlich nicht möglich, den Fluchtwagen der Nazis zu stellen.

Was sich im Folgenden abspielte, kann nur als neuerlicher Polizeiskandal bezeichnet werden. Die AntifaschistInnen wurden von der Polizei nicht etwa als ZeugInnen vernommen, dringender erschien es den Einsatzkräften sie als Verdächtige einer Ornungswidrigkeit zu behandeln, da im Umfeld zwei Plakate mit der Aufschrift „No Nazis“ entdeckt worden seien. Als die inzwischen eingetroffene Mutter eines Betroffenen sich bemühte, dahingehend klärend zu intervenieren, wurde sie von den Beamten festgenommen und mit Handschellen in ein Polizeiauto gesetzt.

„Hier offenbart sich wieder einmal das fahrlässige Fehlverhalten der Dortmunder Polizei“, resümiert Piehl. Und weiter: „Wer von Nazis überfallen wird, ist bei der Dortmunder Polizei Grundsätzlich erst einmal verdächtig, Straftäter zu sein. Offenbar war den Beamten hier die Verfolgung einer Ordnungswidrigkeit wichtiger als ein erneuter Mordversuch durch Dortmunder Neonazis.“

Fotos des besagten VW-Bullis:
http://i.imgur.com/Lq61H.jpg


Am heutigen Abend (29.07.) haben sich ca. 50 Antifaschistinnen und Antifaschisten in der Dortmunder Innenstadt anlässlich des brutalen Übergriffs von Neonazis in der Nacht auf Freitag zu einer Spontandemonstration zusammengefunden. Eine Gruppe von Neonazis hatte am frühen Freitag morgen um ca 2.45 Uhr mehrere Antifaschisten unter anderem mit einem Messer angegriffen.
Die Spontandemonstration startete um ca. 18 Uhr an der Reinoldikirche mitten in der Innenstadt und zog von da aus zu den Katharinentreppen vor den Hauptbahnhof. Die Demonstrantinnen und Demonstranten verliehen ihrer Wut durch laute Parolen Ausdruck und trugen Transparente mit sich, die zu einem aktiven Widerstand gegen rechte Gewalt aufrufen. In Redebeiträgen wurden Passantinnen und Passanten über den Neonazi-Angriff informiert. Mit Flyern wurde zu den Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch am 3. September aufgerufen.

Zeitgleich fanden sich am Hauptbahnhof Mitglieder der Dortmunder Neonaziszene zusammen, um ihre rechte Propaganda in der Innenstadt zu verbreiten. Im Bahnhof kontrollierte die Polizei vereinzelt Neonazis. Von den anwesenden Antifaschistinnen und Antifaschisten offensichtlich überrascht und eingeschüchtert zogen sich die Neonazis zum Nordausgang des Hauptbhanhofs zurück und hielten dort eine wenig öffentlichkeitswirksame Kundgebung ab.

Die anwesenden Antifaschistinnen und Antifaschisten versuchten eine Kundgebung in Sicht- und Hörweite der Neonazis an der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache durchzuführen. Die Polizei behauptete trotz anwesender Einsatzkräfte einer Hundertschaft nicht in der Lage zu sein eine räumliche Trennung der beiden Kundgebungen zu gewährleisten und verbot die angemeldete Kundgebung. Daraufhin zog die antifaschistische Spontandemonstration weiter in die Nordstadt über die Münsterstraße zum Nordmarkt. Dabei wurden die Anwohnerinnen und Anwohner über den Überfall der Neonazis in der vergangenen Nacht informiert und dazu aufgerufen, sich am 3. September an den Aktionen gegen den Naziaufmarsch zu beteiligen. Am Nordmarkt wurde die Veranstaltung beendet.