„Eigene Akzente setzen“

via Alerta

Im Rahmen der “Kein Ruhe vor dem Sturm!”-Kampagne des Alerta!-Bündnisses wurden heute zwei Straßen in Dortmund von Antifaschist_innen mit Informationsschildern versehen. Anlass dafür boten die Namenspatronen, die aus antifaschistischer Perspektive als untragbar erscheinen.

Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut der Informationsschilder:

Castellestraße
Friedrich Castelle (1879-1954) war Mitglied in der NSDAP, Propagandist des Nationalsozialismus und hatte hochrangige Funktionen in der Kulturbürokratie des Regimes inne. Er hat sowohl in seinem schriftstellerischen Werk als auch in seinem Berufsleben die menschenverachtende und antisemitische Ideologie der Nationalsozialisten persönlich aktiv gefördert. Friedrich Castelle hat sich nicht nur um seine schriftstellerischen Tätigkeiten verdient gemacht hätten, sondern auch durch ihre Sympathie für die nationalsozialistische Ideologie und Bewegung hervorgetan.

Canarisstraße
Wilhelm Canaris, Admiral der deutschen Marine. Er wurde 1887 in Dortmund-Aplerbeck geboren und war später auch an den Staatsstreichversuchen beteiligt. Nach ihm ist 1955 zu Ehren seines “Widerstands” in Aplerbeck eine Straße benannt worden, die direkt an den dortigen jüdischen Friedhof grenzt. Im Ersten Weltkrieg war Canaris glühender Verteidiger des Deutschen Kaiserreichs, befreundet mit General Franco, begrüßte er 1933 die Machtübernahme der Nationalsozialisten, unter denen er zum Chef der deutschen Abwehr aufstieg. Neuerer Forschungsergebnisse zur Folge, soll Canaris bereits früh die Einführung des Judensterns im Deutschen Reich gefordert haben. Der Dresdener Buchautor Gunter Pirntke hatte sich mit der Biographie Canaris’ beschäftigt und sich diesbezüglich auf Aussagen von Lina Heydrich, der Frau von Reinhard Heydrich, der seinerzeit mit der “Lösung der Judenfrage” beauftragt war, bezogen. “Demnach wollte Canaris lange vor dem Krieg ‘das Bewusstsein für die ewigen Werte des Glaubens, der Rasse und des Volkstums’ geweckt sehen. Bereits 1935/36 soll er vorgeschlagen haben, ‘die Juden im Deutschen Reich durch einen David-Stern als Bürger der besonderen Art zu kennzeichnen, die im Reich nur Gastrechte besäßen.’ Weiter schreibt Pirntke: ‘Da es ihm als Nationalisten „selbstverständlich erschien, dass England und Frankreich eines Tages die 1919 ’geraubten’ deutschen Kolonien zurückgeben würden, wollte er in dem dann entstehenden deutschen Über-Seereich einige Gebiete reservieren, in denen Juden angesiedelt werden und einen eigenen Staat schaffen sollten.’
Im Sommer 1941 habe Canaris dann einen zweiten Versuch bei Gauleiter Joseph Goebbels unternommen, die Berliner Juden in einem separaten Stadtbezirk unterzubringen und mit dem Judenstern zu kennzeichnen, weil er befürchtete, ‘zahlreiche Juden in der Reichshauptstadt spionierten für die Alliierten.`

Keine Straße für Nazis und ihre Ideologie!
Den Naziaufmarsch am 03.09.2011 verhindern!