Wanderzirkus durch NRW

Eine Woche vor dem von Dortmunder „Autonomen Nationalisten“ geplanten Aufmarsch zum „Nationalen Antikriegstag“ am 3. September haben Neonazis am Samstag fünf stationäre Kundgebungen in nordrhein-westfälischen Städten und außerdem eine im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr sowie eine Demonstration in Leverkusen durchgeführt.

Mit zwei Trupps waren sie unterwegs: einer von der Ruhr, einer vom Rhein. Neonazis vor allem aus dem Ruhrgebiet, aber auch aus Ostwestfalen und Niedersachsen begannen ihre Tour am Samstagmorgen auf dem Marktplatz in Dortmund-Aplerbeck. Von dort ging es in Dortmunds nördliche Nachbarstadt Lünen, wo eine zweite Kundgebung mit Flugblattverteilung zwischen zwei Supermärkten stattfand.

Anders als zuvor vermutet – als mögliche Veranstaltungsorte bei dem Neonazi-Wanderzirkus waren auch Bielefeld, Paderborn oder Münster im Gespräch* – blieb der braune Reisetrupp auch anschließend in der näheren Region: Dortmunds südliche Nachbarstadt Schwerte war das Ziel, wo die Neonazis sich vor dem Bahnhof aufstellten. „Trotz schlechten Wetterverhältnissen“ habe man „Öffentlichkeit erreichen“ können, „wobei auch das angebotene Informationsmaterial regen Absatz fand“, übertreiben die Dortmunder Demo-Organisatoren in ihrem Reisebericht.
Demo in Leverkusen

Die Tour von Neonazis aus dem Rheinland begann am Samstagmorgen mit einer Kundgebung in Pulheim. Jene Tour wurde offenbar von Neonaziformationen organisiert, die der „Aktionsgruppe Rheinland“ angeschlossen sind oder ihr nahe stehen. Zweite Station der extrem rechten Reisegesellschaft war das Bundesverteidigungsministerium in Bonn, das wohl wegen des Symbolwerts mit Blick auf den „Nationalen Antikriegstag“, weniger wegen der Hoffnung auf irgendeine Außenwirkung der Veranstaltung als Ziel ausgewählt wurde.

Nach einem Abstecher zu einer Kundgebung im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr stand zum Abschluss eine Demonstration in Leverkusen-Opladen auf dem Programm, die am späten Nachmittag begann. Sie soll von dem Düsseldorfer Neonazi Sven Skoda angemeldet worden sein. Dabei habe man sich auch, so heißt es in einem Veranstaltungsbericht, mit dem „lybischen Präsidenten Gaddafi“ solidarisiert.

Als Redner dieser Rheinland-Tour traten unter anderem der Pulheimer Neonazi Axel Reitz, sein „Zögling“ Kevin Koch aus Wuppertal sowie Niklas Berr aus Leichlingen bzw. Leverkusen auf. Berr sorgt nach Verbüßung einer längeren Haftstrafe seit einigen Monaten wieder für eine Reaktivierung der Szene im Raum Leverkusen. (rr)