„Wenn so viele Schweigen…“

Heute, am 23.02.2012, schwiegen Deutschland weit mehrere tausend Menschen im Gedenken an die Opfer der „NSU“ Morde.
Vor rund drei Monaten wurde bekannt das eine rechte Terrorzelle die sich selbst den Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ gab, mit Hilfe des Verfassungsschutzes mindestens 10 Menschen getötet hat. Außerdem wird der „NSU“ für mindestens zwei Sprengstoff Anschläge in Köln verantwortlich gemacht.

Kollektives Schweigen
Lange hat es gedauert bis sich die Bundesregierung unter Führung von Angela Merkel „offiziell“ zu den Morden verhielt, drei Monate nach bekannt werden einigte man sich nun auf ein kollektives Schweigen. In Berlin fand eine offizielle Gedenkveranstaltung für die Opfer statt, auf der sich diverse Personen zu Wort meldeten und um Verzeihung bei den Familien und Angehörigen der Toten baten. Neben dieser Veranstaltung wurde außerdem um Punkt 12:00 Uhr, Bundesweit, zu einer Gedenkminute aufgerufen. In mehreren großen Städten wurde dieser bitte nach gegangen, teilweise standen so gar die öffentlichen Verkehrswege still. Das dieses Schweigen dabei exemplarisch, für einen rassistischen Alltag in Deutschland gesehen werden kann, steht außer Frage.

Kritik an Polizei bleibt
In einer Rede welche von den Angehörigen der Opfer gehalten wurde, bei der auch Gamze Kubaşık die Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubaşık sprach, wurde die Kritik an der Polizei lauter.
Besonders die Tatsache, dass auf Anregungen der Familien das es sich um eine politische Tat handeln könne, von Seiten der Polizei nicht eingegangen wurde, sitzt tief. Eher wurden die Angehörigen selbst verdächtigt mit der Tat im Zusammenhang zu stehen oder diese begangen zu haben.
Die Bundeskanzlerin hingegen verlor in ihrer Rede kein Wort über die Versäumnisse der Polizei und die Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes mit den Tätern.
Sie versprach lediglich die Fälle umgehend aufzuklären.
Wie diese Aufklären aussieht wird auch immer wieder in Dortmund offensichtlich, so braucht die Staatsanwaltschaft bereits über ein Jahr, um ein Video sowie Zeugenbefragungen zu den Angriff der Skinead-Front Dortmund-Dorstfeld auf die Kneipe Hirsch-Q im Dezember 2010 auszuwerten. Das Verfahren gegen Neonazis die am 1.Mai 2009 die DGB-Demonstration angriffen stehen bis dato aus.

Gib mir irgendwas, was bleibt!
Die Frage die sich nun stellen dürfte ist, ob es mit einem kollektiven Schweigen getan ist? Die deutsche Bevölkerung tat sich scihtlich schwer der Realität erneut in Auge zu blicken und auch die (radikale) Linke wusste nicht so recht mit dem bekannt werden der „NSU“ umzugehen.
Betrachtet man die Vergangenheit, seit der Wiedervereinigung, in Deutschland so wird erschreckendes klar. Nach den Pogromen Anfang/Mitte der 90er Jahre, war eine Konsequenz der Regierung die Verschärfung des Asylgesetzes. Damals griffen ganze Horden Deutscher diverse Flüchtlingsheime an und steckten diese in Brand.
Auch der aktuelle Umgang durch den Staat, mit Menschen die sich Neonazis aktiv in den Weg stellen, gibt zu denken, so wurden im vergangenen Jahr die Handy Daten von hunderttausenden Menschen überwacht und mitgehört, welche sich in Dresden Neonazis aktiv in den wegstellten.
In Dortmund wurde seid Jahren das Recht auf Protest gegen den alljährlichen Naziaufmarsch Anfang September, durch ein Großaufgebot der Polizei unterbunden, dabei wurden ganze Stadtteile abgeriegelt und selbst Anwohner_Innen nicht mehr hinein gelassen.
Es muss somit ein Weg gefunden werden diesem kollektiven Schweigen und dem damit verbundenen Stillstand zu entkommen und den Menschen bei zu stehen die von rechter Gewalt, Repressionen oder Ausgrenzung betroffen sind.
Denn eins ist ganz sicher klar, rechte Gewalt ist alltäglich und Imagepflege für die Nation wird diese nicht unterbinden!